Bild: © Sarah Frank, Pfarrbriefservice.de


Durch Musik wird der Gottesdienst zur Feier. In Psalm 30,13 antwortet der Psalmist auf die erfahrene Rettung durch Jahwe: „Darum singt dir mein Herz und will nicht verstummen.“


Die Musik kommt aus der Herzmitte des menschlichen Empfindens. Sie vermag unser innerstes Wesen anrühren. In einer Zeit, wo wir Menschen immer mehr vom Minutentakt der Stechuhren und Terminkalender, vom Surren der Apparate, vom Klingeln der Kassen und vom ostinaten Leitton der Rationalität bestimmt werden, in einer Welt, die immer voller wird vom Sprach- und Klangmüll, der tagtäglich auf uns einrieselt, wo weniger „Hinhörmusik „ als „Weghörmusik“ produziert wird, die Ohren und Herz mehr abstumpft als aufschließt, da wird eine musikalische Kultur der Sinne und des Herzens um so wichtiger. Im Singen und Musizieren lernen wir spielend, was gerade für den ich-verkrampften Menschen heute heilsam, und für uns Christen Geheimnisgrund unseres Heiles ist, nämlich: Hingabe.


Musik hat wie keine andere Kunst mit der Zeit zu tun Sie ist Darstellung der Zeit, denn ihr Grundmaterial, der Ton, ist ein Phänomen in der Zeit: er setzt ein, dauert, hört auf; alles, was mit ihm geschieht, ist gespielte Zeit: Rhythmus, Takt und Tempo, Beschleunigung, Verlangsamung. Musik ist „bis ins Detail durchorganisierte Zeit“. Im hingebungsvollen Musizieren erleben wir beglückend Befreiung von der Zeit. Die tiefe Verwandtschaft mit dem Gottesdienst liegt auf der Hand: Liturgie braucht die inszenierende Macht der Musik, die uns hilft, wahrzunehmen, dass Gott in Jesus Christus sich hier und jetzt unter uns und an uns ereignet, dass wir sein Antlitz aufleuchten sehen. „Wovon man nicht sprechen kann“ sagt der Philosoph Wittgenstein, „darüber muss man schweigen.“ Als glaubende Menschen setzen wir hinzu: Wovon man nicht sprechen und nicht schweigen kann, davon muss man singen. „Alle große Musik…..bewegt sich an der Pforte des Geheimnisvollen. Viele Wege führen zu Gott. Einer geht über die Töne.“ Die Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils sagt daher zurecht, eine der Weisen, wie wir die Gegenwart des Auferstandenen in unsere Mitte erfahren ist, dass die Gemeinde betet und singt (SC7). Kirchenmusiker und Kirchenchorsängerinnen und –sänger sollten nicht aus dem Auge verlieren, dass die ganze versammelte Gemeinde der wichtigste Klangkörper der Liturgie ist. Musik stiftet auf wunderbare Weise Gemeinschaft über die Gräben von Klasse, Stand und Rasse hinweg. Schon im Buch Richter klingt diese Erfahrung durch: in 5,10 werden die Willigen im Volke aufgerufen, dem Herrn zu singen. Gott hat uns Stimme gegeben.  “Unser Lobpreis kann seine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil (Werktagspräfation IV).